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Beobachtungen von Sammlern, Erläuterungen und ergänzende Informationen zur Turul-Serie. Allgemeine, jahrgangsübergreifende oder einzelne Marken betreffende Informationen und Geschichten findest du in Form von Beschreibungen, ebenso wie Besonderheiten, die das Ansehen der Turul-Marken steigern.

Der Ursprung und die Geschichte des Falzes

2026.02.15. 0 Kommentar(e)

Briefmarkensammeln in der Turul-Ära: Die Welt ohne Einschubfolien und Hawid-Streifen

In der klassischen Periode der Turul-Marken, von den frühen 1900er Jahren bis 1913, blieben die technischen Bedingungen für das Briefmarkensammeln weit hinter den heutigen zurück. In dieser Ära gab es die heute als selbstverständlich geltenden, weichmacherfreien Kunststofffolien (Einschubfolien) und modernen Hawid-Streifen noch nicht. Für Sammler war die einzige Methode zur Befestigung von Marken der sogenannte Falz, also der Markenkleber.

Der Falz war ein dünner, durchscheinender Papierstreifen, der mit Gummi arabicum beschichtet war, angefeuchtet und auf der Rückseite der Marke und dann auf das Albumblatt geklebt wurde. Da die Turul-Marken zu dieser Zeit noch „lebende“ Postmarken waren, betrachteten die Sammler diese Befestigungsmethode als selbstverständlich, ohne zu bedenken, dass der Kleber Spuren auf dem ursprünglichen Gummi der Marke hinterlassen würde.

Die Grundlage der Bewertung: Die Bedeutung der Sterne

Die philatelistische Fachliteratur und Kataloge (wie der Katalog der Ungarischen Postmarken) unterscheiden daher scharf zwischen den Zuständen der Marken. Da vor 1913 fast jede postfrische Marke mit Falzen befestigt wurde, gestaltet sich die Bewertung der zeitgenössischen Raritäten wie folgt:

Heute wissen wir, dass aufgrund des Fehlens transparenter Kunststofffolien der Gummi der Turul-Marken während der Lagerung oft Schaden nahm. Die nach dem Entfernen des Falzes zurückbleibende „Falzspur“ ist auch heute noch einer der wichtigsten wertbestimmenden Faktoren. Wer heute eine vollständige, falzfreie (**) Turul-Serie von vor 1913 sucht, muss sich darauf einstellen, ein Vielfaches des Katalogpreises für eine echte Rarität zu zahlen.

Wo Chemie auf Philatelie trifft: Warum gab es keine Alternative zum Falz?

Um die Sammelgewohnheiten der Turul-Ära (1900–1913) zu verstehen, müssen wir erkennen, dass die modernen Verpackungsmaterialien und Kunststoffe, wie wir sie heute kennen, damals selbst in Labors kaum existierten. Die Sammler verwendeten nicht deshalb Falze, weil sie sich nicht um den Zustand der Marke kümmerten, sondern weil ihnen kein neutrales, transparentes Aufbewahrungsmedium zur Verfügung stand.

Zeitleiste von Zellophan und Kunststoffen:

  • Zellophan (1908–1912): Der Schweizer Chemiker Jacques E. Brandenberger patentierte Zellophan 1908, aber die industrielle Produktion und der kommerzielle Vertrieb begannen erst nach 1912. Bis Zellophan die Briefmarkensammler hätte erreichen können, war die klassische Periode der Turul-Serie bereits abgeschlossen. Außerdem war frühes Zellophan noch sauer und neigte zum Schrumpfen, was dem Papier mehr Schaden zugefügt hätte als der Falz.

  • PVC und Weichkunststoffe (1920er–30er Jahre): Der Basiswerkstoff der heutigen Einschubfolien, Polyvinylchlorid (PVC), wurde erst Mitte der 1920er Jahre industriell anwendbar (dank der Pionierarbeit von Waldo Semon), aber die weichmacherfreie Verwendung für philatelistische Zwecke ließ noch Jahrzehnte auf sich warten.

  • Moderne Hawid-Streifen (späte 1940er Jahre): Die den Markenrücken schützenden, klebstofffreien Hawid-Taschen und Polystyrol-Schutzfolien kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in den späten 1940er Jahren, auf den Markt.

Zusammenfassung: Als ein Sammler 1905 eine 12-Filler-Turul-Marke in sein Album einlegte, war der Falz die verfügbare Spitzentechnologie. Papier und Gummi arabicum waren natürliche Materialien, während die heute verwendeten, chemisch neutralen Folien damals noch im Bereich der Science-Fiction lagen. Betrachten wir also falzspurige Exemplare mit Respekt: Sie sind Zeugen einer über hundert Jahre alten technischen Einschränkung.



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