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Wie erkennt man sicher, dass ein 6-Filler-Turul von 1900 ist?

2025.01.12. 0 comentarii

Die 6-Filler-Nennwert der ungarischen Turul-Serie ist eines der spannendsten Stücke der heimischen Philatelie: auf den ersten Blick schlicht, doch birgt es unzählige Geschichten und fachliche Feinheiten. Für Sammler ist die Frage besonders interessant, ob ein bestimmtes Exemplar tatsächlich zur ersten Ausgabe von 1900 gehört oder zu einer der späteren Drucke, die bis 1913 fortgesetzt wurden.

Vom 6-Filler-Turul gibt es vier Hauptfarbvarianten. Die letzte dieser Nuancen – ein charakteristischer grünlich-ölfarbener, ölgrüner Ton – blieb viele Jahre im Umlauf und erstreckte sich auch auf spätere Perioden. Aus diesem Grund kann die Farbe allein nicht mit Sicherheit bestimmen, ob ein Exemplar zur Ausgabe von 1900 gehört. Auf dem Markenbild gibt es keine Jahreszahl, und die Farbnuancen überschneiden sich, sodass der Sammler tiefer graben muss.

Die wichtigsten Anhaltspunkte bieten das Papier und das Wasserzeichen. Bei den frühen Drucken zwischen 1900 und 1904 ist das Papier oft etwas dicker, leicht gelblich getönt, und die Position des Wasserzeichens ist ebenfalls charakteristisch. Sammler erwähnen häufig das „C-Stellungs“-Zahlenwasserzeichen, das typischerweise bei den frühen Drucken vorkommt. Wenn ein 6-Filler-Turul ein solches Wasserzeichen und einen frühen Papiertyp aufweist, gehört er mit großer Wahrscheinlichkeit zur ersten Ausgabeperiode.

Wichtig ist auch die Qualität der Zähnung. Obwohl bei der Turul-Serie grundsätzlich von einer 12:11¾-Zähnung gesprochen wird, ist die Perforation bei den frühen Drucken in der Regel gleichmäßiger und weniger ausgefranst. Bei späteren Drucken aus den 1906er Jahren findet man 15er-Zähnung. Dies allein ist kein endgültiger Beweis, aber zusammen mit der Papier- und Wasserzeichenuntersuchung kann es die Schlussfolgerung stärken. Wenn die Zähnung 15er ist, dann stammt die Marke mit Sicherheit von 1906 oder später, da die 1906 eingeführte 15er-Zähnung auch in den anderen Jahrgängen vorkommt.

Der sicherste Beweis ist jedoch das Datum des Poststempels. Wenn die Marke ein gut lesbares Datum zwischen 1900 und 1904 trägt, dann ist praktisch sicher, dass sie aus der ersten Ausgabeperiode stammt. In solchen Fällen gibt der Zeitpunkt der postalischen Verwendung einen engen Rahmen: Ein 1901 verwendeter 6-Filler-Turul kann kein späterer Druck aus den 1910er Jahren sein. Wenn der Stempel jedoch um 1910 oder später liegt, dann kann man nicht mehr von einem „sicher von 1900“ sprechen, selbst wenn die Farbnuance früher erscheint.

Die Farbnuance ist also eher ein ergänzendes Indiz als ein entscheidender Beweis. Von den vier bekannten Farbvarianten sind die ersten drei eher der frühen Periode zuzuordnen, während die vierte – ölgrüne Nuance – länger, bis 1913, im Umlauf blieb. Daher sollte der Sammler vorsichtig sein: Ein schöner, ölgrüner 6-Filler ist nicht automatisch eine „Rarität von 1900“, sondern könnte auch ein späteres Exemplar derselben Nuance sein.

Wenn wir all dies zusammenfügen, ergibt sich die Logik einer philatelistischen „Ermittlung“. Wer sicher wissen möchte, ob sein 6-Filler-Turul zur Ausgabe von 1900 gehört, muss mehrere Faktoren gemeinsam untersuchen: das Datum des Poststempels, die Papierbeschaffenheit, die Wasserzeichenstellung und die Zähnungsqualität. Die Farbnuance ist schön und interessant, aber nur eine Schicht des Bildes.

Genau das macht den Reiz der Turul-Serie aus: Es reicht nicht, die Marke nur anzusehen; man muss auch die Postgeschichte der Epoche, die Druckereibesonderheiten und die feinen technischen Details verstehen. Der 6-Filler-Turul wird so aus einem einfachen Zahlungsmittel zu einem historischen Dokument – und für den Sammler zu einer spannenden, intellektuellen Herausforderung, bei der jedes Wasserzeichen, jeder Zahn und jedes Datum zählt.



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