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Der weinrote Turul zu 50 Fillér: zurückgezogen und später verkauft

2026.10.10. 0 comentarii

Die Geschichte der weinroten 50-Fillér-Marke der ungarischen Turul-Ausgabe von 1904 verbindet Farbchemie, Sammlerspekulation und eine unterbliebene Vernichtung. Was zunächst wie eine einfache Farbvariante aussieht, nahm einen bemerkenswerten Weg von der Druckerei in die Sammleralben.

Im November 1904 gingen der Staatsdruckerei die Farbstoffe für den gewohnten Farbton der 50-Fillér-Marke aus. Mit einer neuen Mischung wurden 4700 Bogen gedruckt, die sowohl im feuchten Zustand als auch nach der Fertigstellung der bisherigen Farbe entsprachen. Am 14. November gingen 2000 Bogen an die Wertzeichenlager von sechs Postdirektionen; 2700 Bogen blieben in der Druckerei.

Der weinrote Turul zu 50 Fillér: zurückgezogen und später verkauft

Im Januar 1905 entdeckten Sammler die weinroten Marken. Sie vermuteten einen Fehldruck, und eine lebhafte Spekulation setzte ein. Die Untersuchung im März ergab, dass die ursprünglich bräunliche Farbe durch Luftkontakt oxidiert war und sich dunkelweinrot verfärbt hatte. Die Post ordnete den sofortigen Rückruf und die Rücksendung der Bestände an die Staatsdruckerei an. Ein Teil war jedoch bereits postalisch verwendet worden.

Die zurückgesandten Bestände sollten vernichtet werden. Laut Monografie wurde jedoch Anfang 1931 bekannt, dass das Briefmarkenbüro der Post bis 1930 bereits 10 % des Restbestands verkauft hatte. Ende 1930 erwarb ein Briefmarkenhändler weitere 80 % bei einer öffentlichen Versteigerung; 10 % verblieben beim Briefmarkenbüro.

Die große Menge ungebrauchter Marken auf dem Markt ließ den Wert der weinroten Variante stark sinken. Für die Verhältnisse ihrer eigenen Zeit nennt die Monografie für die weiterhin gültigen 50-Fillér-Marken in der ursprünglichen Farbe einen etwa dreißig- bis vierzigfachen Wert gegenüber der oxidierten Variante. Das ist ein historischer Vergleich, keine heutige Preisrelation.

Die Geschichte erklärt auch, weshalb eine echt postalisch gebrauchte weinrote Marke mehr wert sein kann als eine postfrische: Große ungebrauchte Bestände gelangten in den Sammlermarkt, während die vor dem Rückruf verwendeten Stücke auf anderem Wege erhalten blieben. Das gilt nicht pauschal für jedes Exemplar; Erhaltung, Stempel, Wasserzeichen und genaue Variante sind entscheidend.

Aus dem erhaltenen Material wurden zudem zuvor unbekannte Ziffernwasserzeichen dieser Wertstufe und ein Bogen mit kopfstehendem Wasserzeichen bekannt. Die weinrote 50-Fillér-Marke ist damit ein kleines Dokument der Drucktechnik, der Postgeschichte und des Sammlermarkts.

Quelle: A magyar bélyegek monográfiája (Monografie der ungarischen Briefmarken), Band IV, Seite 146 und der anschließende Abschnitt.



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